Hand und Finger

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Die menschliche Hand ist ein kompliziertes Gebilde aus Knochen, Gelenken, Sehnen, Muskeln, feinen Blutgefäßen und höchst empfindlicher Hautoberfläche. Diese Komplexität ist notwendig, damit die Hände ihre vielseitige Funktion erfüllen können.

Egal ob Konzertpianist, Handwerker oder Bürokaufmann, unsere Hände verdienen im Falle einer Erkrankung die „guten Hände“ eines Spezialisten.

Rechts vor links
Bei jedem Menschen ist eine Hand dominanter und übernimmt die feinmotorisch anspruchsvollen Aufgaben. Bei dem größeren Teil der Weltbevölkerung ist das die rechte Hand. Die Ursache für die sogenannte Händigkeit wird in der festgelegten Aufgabenteilung im Gehirn vermutet. Das bedeutet jedoch nicht, dass die andere, nicht-dominante Hand unnütz wäre. Sie unterstützt die präferierte Hand bei sämtlichen zweihändigen Aufgaben.
Oft ist die dominante Hand mitsamt dem Arm durch das Mehr an Bewegungen kräftiger als die nicht-dominante Hand. Durch die stärkere Beanspruchung ist bei vielen und vor allem verschleißbedingten Handerkrankungen die dominante Hand aber auch häufiger betroffen.

 

Der Aufbau der Hand
Die Hand ist aufgebaut aus nicht weniger als 27 Knochen. Sie ermöglichen eine extreme Beweglichkeit und vor allem die Greiffunktion der Hand. Unterteilt werden die insgesamt 27 Handknochen in Handwurzelknochen, Mittelhandknochen und Fingerknochen. Ein Fingerknochen wird zusammen mit dem jeweils zugehörigen Mittelhandknochen „Strahl“ genannt. Der Daumen unterscheidet sich durch seine Lage und durch seinen Aufbau von den restlichen vier Fingern, da er ein Glied weniger hat. Dadurch kann er jeden der anderen Finger berühren und die für das tägliche Leben so wichtige Greiffunktion ausführen. Der Arm – speziell der Unterarm – und die Hand arbeiten als fuktionelle Einheit eng zusammen; mit dem Handgelenk als wichtiges, flexibles Verbindungsstück. Von den 33 Muskeln, die für die Handbewegungen zuständig sind, liegen die meisten im Unterarm. Ihre zugehörigen Sehnen befinden sich aber in den Händen und lösen bei entsprechender Muskelkontraktion Bewegungen aus. Die Nerven der Hände sind die Nervi ulnaris, medianus und radialis, die Blutversorgung findet über zwei Arterien statt. Ihre hohe Sensibilität verdanken die Hände, insbesondere die Handinnenflächen, den zahlreichen Rezeptoren, die Druck- und Bewegungsreize aufnehmen.
Der schnellende Finger
Digitus saltans, Schnappfinger, Tendovaginitis stenosans, Triggerfinger oder schnellender Finger sind Bezeichnungen für eine recht häufige Erkrankung, die vor allem bei Frauen ab dem 50. Lebensjahr auftritt. Dabei kommt es beim Beugen des betroffenen Fingers zu einem schmerzhaften „Schnappen“. Der erkrankte Finger kann nur unter erheblichem Kraftaufwand, dann aber ruckartig gebeugt werden, ähnlich wie bei einem Taschenmesser, dessen Klinge sich zunächst schwer bewegt und dann plötzlich doch einklappt. Ausgelöst wird dieses Phänomen meist durch eine Verdickung der Beugesehne über dem Grundgelenk des Fingers. Sehnen übertragen die Muskelkraft auf die Knochen. Um optimal arbeiten zu können, sind sie von einer bindegewebigen Hülle, der Sehnenscheide, umgeben. Damit die Sehnen in Führung bleiben, werden sie mit Ringbändern am Knochen fixiert. Wird der durch das Ringband gebildete Kanal zu eng, dann wird die Bewegung der Sehne behindert. Ursachen für diese Verengung sind z. B. eine knotige Verdickung der Sehne, Anschwellung durch Überanstrengung oder eine Entzündung. Die Sehne kann dann meist nur ruckartig und unter größerem Kraftaufwand durch die Verengung gezogen werden. Da die Streckmuskeln in der Regel schwächer ausgebildet sind als die Beugemuskeln, kann der Finger dann meist nur unter Zuhilfenahme der anderen Hand wieder gestreckt werden. Vor allem morgens sind die Schmerzen und Bewegungseinschränkung besonders stark. Häufig ist auch eine Verdickung über der Engstelle zu tasten.
Eine klare Diagnose
Aus dem Befund und der typischen Beschwerdesymptomatik kann die Diagnose in der Regel relativ leicht gestellt werden. Um andere, seltene Ursachen für die Gelenkblockierung auszuschließen, wird meist zur Absicherung eine Röntgenuntersuchung veranlasst. Die Therapie erfolgt zunächst konservativ mit nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR), die entzündungshemmend, abschwellend und schmerzlindernd wirken. Parallel dazu können regelmäßige Fingergymnastik in lauwarmem Seifenwasser und die Ruhigstellung mittels einer Nachtlagerungsschiene Linderung bringen. Durch Injektionen mit Cortison in die Umgebung der verdickten Sehne lassen sich die Schmerzen meist reduzieren. Wenn die Sehne abgeschwollen ist gleitet sie auch häufig wieder ungehindert durch das Ringband.